Apostelinnen Leuchter –
Installation

Von der Idee zur Verwirklichung

Licht Körper Sprache

Die Frauen unserer Kirche leuchten seit Anbeginn immer wieder durch, aber es hat bis jetzt gedauert, dass die Institution ihre Präsenz zu würdigen weiss:  Das geplante Apostellinen-Leuchter-Projekt steht für Maria von Magdala, also eine der „vergessenen Frauen“ der Urgemeinde und damit stellvertretend für alle Frauen, die in der Urkirche eine tragende Rolle und einen wichtigen Dienst in den Gemeinden ausübten.
Als ich eingeladen war und in dieser schönen Kirche vor den Mitstreiterinnen stand, drang folgender Satz in mein Bewusstsein:
„Die Stimme ist der Frau, die Sprache hat der Mann.“ Plötzlich wurde mir klar, das dieser Satz, Ende der 70er Jahre von der französischen Feministin Hélène Cixous ausgerufen, auch mit unserer konkreten Apostellinen-Leuchter-Situation zu tun hat und wie er überwunden werden kann. Es gilt ja, dass die Frau ihre Sprache findet und der Mann ihre Stimme respektiert und damit selbst zu seiner Stimme findet. Die Stimme als Symbol des Unterbewussten, des Körpers, der Ganzheit verstanden, sollte zur Sprache kommen. Aktuell scheint es sogar, dass der Kampf der Zuschreibungen, welcher Körper nun zu sehen sei, besonders laut ist.
So lasst uns nach vorne blicken. Die Frau findet ihre Sprache deutlich und klar – und jede Zuschreibung, was männlich und weiblich sei, wird hinter sich gelassen und aus dem Zwang befreit. Der Leuchter erhält nicht nur die Strahlkraft weiblicher Resilienz in der Männerkirche – sondern überwindet die Grenzen der männlichen Diskurse und erschafft eine neue Art des Seins:

Der Leuchter verbindet sich mit seinem Körper.

Der Körper wurde durch die patriarchalische Gesellschaft oft zu einem negativen, entfremdeten Ort gemacht – für die Frauen, aber auch für die Männer. Der Leuchter-Körper erhält Raum, um das zur Sprache zu bringen, was wesentlich ist: „Jesus lebt“. Dieser Satz nimmt Einfluss auf die Welt, seitdem er ausgesprochen ist. Er überwindet die Grenzen. Der Leuchter-Körper ist ein Akt der Befreiung aus zugeschriebenen, verfahrenen, verfestigten Strukturen. „Jesus lebt“ ist lebendig, bunt, weiblich, männlich, queer.

Tritt ein, komm herein zum Leuchter, zum Licht, zu den starken Frauen. Nimm Platz, komm zur Ruhe, werde still.
Horch in den Raum, spüre die (Schaffens-) Kraft, den Mut, die Zuversicht, den Glauben, die Hoffnung auf Wandel. Nimm etwas davon mit in deinen Alltag, in die Familie, zu  den Kindern, zu deiner Arbeitsstätte. Und wird der Weg dir einmal wieder schwer, komm zurück voll Vertrauen zum Leuchter, zum Licht und den starken Frauen.

Der Apostelinnen Leuchter soll in Verbindung zur Marienkapelle stehen. Augenfällig das Blau, neben der Farbe des Himmels, auch die der Treue und des Glaubens, und natürlich auch die Farbe Marias, der Mutter Jesu. Der Kerzenständer wird zum Körper Mariens – er führt buchstäblich zu ihrem ikonischen Gesicht hin.

Jesus lebt

Kirche St. Maria Empfängnis-Venn

Schlüsselgedanken

Das Licht steht für Maria von Magdala als Dreizehnte der Apostel. 2016 hat Papst Franziskus Maria Magdalena rehabilitiert als „Apostelin der Apostel“. Da es keine weiteren Apostelleuchter in der Kirche gibt, steht dieser nicht nur für sie als Frau, sondern auch stellvertretend für alle Apostel, zu denen wir neben den zwölf Männern auch Apostelinnen wie sie selbst und Junia zählen.

In den frühen Jahren des Christentums haben Frauen wie diese gemäß den Überlieferungen, das Wort des Herrn verkündet, Gemeinden geleitet. Sie waren vollwertig anerkannt. Frauen machten Kirche. Das Licht macht sichtbar, dass früher, aber auch heute Frauen Gemeinde und Kirche mitgestalten. Frauen brennen auch heute noch für die „Sache Jesu“ – sind „Feuer und Flamme“.

Das Leben ist wie ein Buch, unser Lebensbuch. Mit vielen Seiten, beschrieben und auch leer. Über Freude und Glück, aber auch Trauer und Leid. Über Miteinander und Streit. Angst vor der Zukunft, Hilfe und Not. Aber auch Zuspruch und Kraft und Zuversicht, dass wir es miteinander schaffen. Leere Seiten, die gefüllt werden können mit Liebe, Hoffnung und Glauben.

Das Licht wird Gestalt

Der Apostelinnen Leuchter entsteht

| Zur Herkunft des Holzes
| Zur Reinigung & Überprüfung des Holzes
| Stabilisierung, Texturen & Oberflächen
| Konzept – Entwurf
| Realisierung – Enthüllung

Zur Herkunft des Holzes

Der Beginn – November 2021

300 Jahre alter Keller & Boden

Im November 2021 wurde die ehemals „gute Stube“ des Hauses bis auf ihre Grundmauen entkernt. Der über dem Basaltkeller liegende Eichen-Boden (Eichenbalken/ Dielenbretter) musste komplett entfernt werden.  Aus statischen Gründen übernahm dies ein  professionelles Restauratoren-Fachwerkhaus-Team. Wir haben mitgeholfen, so gut es ging.

Sicherung der alten Balken

auf dem Nachbargrundstück

Eigentlich sollten wir die alten Balken entsorgen lassen. Aber bereits damals habe ich mir gedacht, so ein eindrucksvolles, verwurmtes Eichenholz muss ich  aufheben. Mein Mann hat mich darin unterstützt und  die zum Teil sehr schweren Balken mit dem Abbau-Team auf dem anliegenden Grundstück gesichert.

Entsorgung des Lehms

und des alten Putzes

Ein großer Container alten Lehms, brüchiger Dielenbretter und PVC Bodens wurden entsorgt.

Zersägen der Balken

im September 2025

Im September kam Friedhelms Schwager – in jungen Jahren Holzfäller in Oregon/USA – zu Besuch. Er legte mit professioneller Ausstattung Hand an und hat mir zwei Balken in Scheiben geschnitten. Er kam dann im März 2026 ein zweites Mal. Er hat alle restlichen Balken die beim Nachbarn lagen, klein geschnitten und auch den Standfuß für Maria vorbereitet.

Eichenholz

nach dem Sägen

Den größten Teil des Holzes habe ich in 2 cm Scheiben schneiden lassen, ein paar in 4 cm Stärke. Das Holz ist jetzt doch brüchiger als ich dachte, da die Balken ungeschützt vier Jahre auf der Wiese lagen. Erst nach den nächsten Schritten kann ich einschätzen, ob sich dieses Holz oder „jüngeres“ (200 Jahre altes), das anders gelagert wurde, eignet.

Trocknung des Holzes

im 300 Jahre alten Basaltkeller

Die Holzscheiben werden mehrere Wochen im Basaltkeller getrocknet. Die Scheiben haben zum Teil eine Oberflächenfeuchtigkeit von über 40 Prozent, was zu hoch ist. Zum Glück sorgt in unserem Keller eine  Taupunktlüftungsanlage für eine gleichbleibende Luftfeuchtigkeit und ständige Luftbewegung, was die Schimmelbildung unterbindet. Diese Anlage haben wir 2024 installiert, weil auch der neue Boden über dem Keller aus Holz besteht. Jede Holzsorte beginnt bei 80 Prozent Luftfeuchtigkeit zu schimmeln. Die durchschnittliche Feuchtigkeit im Keller liegt so zwischen 65 und 70 Prozent. Denn der Keller ist 300 Jahre alt und  mit Lehm gemörtelt worden und benötigt aus statischen Gründen diese Feuchtigkeit.

Maria Magdalenas Botschaft „Jesus lebt“ und ihre Begegnung mit Jesus werden Körper. Die Installation. Überlegungen:

Die einzelnen Elemente werden zum Sinnbild aller Berichte der Evangelisten

Matthäus

Die Kerze nimmt den Platz des Engels ein, der auf dem weggerücktem Stein sitzt und verkündet, dass Jesus auferstanden ist.

Markus/ Lukas

Der auf den Boden gestellte Schriftzug verweist auf die Botschaft aus dem Grab heraus: „Was sucht Ihr den Lebenden unter den Toten?“

Johannes

Maria Magdalena begegnet als einzige Zeugin dem Auferstandenen.

Maria Magdalena tritt selbst in Erscheinung

Die einzelnen Elemente werden zur skulpturalen Erinnerung an das Unvollstellbare, an das Geheimnis woraus ja das Christentum schöpft. Gleichzeitig wird mit dem Andeuten der Mantelkontur die Anwesenheit einer Person – nämlich fur uns Maria Magdalena spürbar.

Wir wollen die Symbolik so wirken lassen, dass sie es schafft, dass aus jeder einzelnen Betrachtung eine neue Begegnung geschöpft werden kann. Die Begegnung mit dem Leuchterkörper, der Dir die Zuflucht gibt, nach Geborgenheit, der Du dürstest, die Du erhoffst, ersehnst.  Durch das Buch hast Du die Möglichkeit, Deine Gedanken und Gefühle mitzuteilen. Das Buch und der Stift wird durch die Gemeinde ausgewählt und besorgt. Das Lesepult erhält auch eine kleine Ablage, so, dass man darauf einen Zettel(Stift)kasten o.ä. stellen kann. 

Maria von Magdala als Verkünderin und erste Zeugin. Die Installation

 

 

Maria von Magdala steht neben dem zurückgerollten Stein dicht vor dem Grabeseingang. Sie lädt die Betrachterin und den Betrachter ein, sich auf die Botschaft der Auferstehung Jesu einzulassen. Sie hält die Kerze und trägt die Botschaft der Auferstehung. Der Schriftzug leuchtet aus dem Grab heraus. Jedes der Objekte bleibt autark und lässt sich je nach Situation neu arrangieren.

Maria von Magdala wiegt gut 80 Kilo bei einer Größe von 182, der Rollstein hat eine Höhe von 197 und wiegt ca. 100 Kilo. 

Die Wandlung aus dem 300 Jahre alten Eichenbalken
Making-Of-Galerie

Maria von Magdala zieht ein

Maria von Magdala ist groß geworden – genau 1.82. Sie hat eine eigene stabile Standkonstruktion auch aus massivem Eichenholz. So können wir gemeinsam vor Ort entscheiden, wie die enzelnen Objekte miteinander in Beziehung treten können!

Der Rollstein

Der Rollstein hat eine stabile Standkonstruktion und ist nun 197cm groß. Die Eichenholzschindeln wurden gesäubert und mit einem Klarlack professionell eingesprayt.

Der Rollstein von hinten

Der Rollstein verkörpert die Ungeheuerlichkeit des Geschehens: das Grab ist leer.  Er verwandelt sich vom Schlusstein des Leben Jesu zum plastischen Zeugen der Auferstehungskraft.

Hier der Rollstein von hinten während der Anlieferung; das Gestell für die Träger modifiziert und vom Objektkörper schwarz abgehoben.

Oberfläche

Die Oberfläche des Rollsteins besteht aus vielen Eichenholzscheiben. Sie wurden aufgeschraubt, die Stellen mit Holznägeln verschlossen.

Das ursprüngliche Pult

Das Lesepult ist 126cm hoch und 49×49 cm breit/tief. Es ist das 2. Pult aus meiner „zu Staub“ Ausstellung, wurde bisher nur einmal in der Roncalli Kapelle Wiesbaden aufgestelt und seitdem nicht mehr verwendet. Es ist als eigenständiges Werk zu betrachten.

Das Pult für das Lebensbuch

Das Pult heute – überarbeitet. Ich habe das ursprünglich geflammte Kiefernholz mit einer elektrischen Messingbürste poliert und anschließend lackiert.

Pult für Gedanken- und Gefühlsstürme

Das Pult hat eine Kante für das Buch, die Auflagefläche ist 49cm breit und nach oben hin 51cm, die Oberkante des Pults misst 126cm, die Unterkante 111cm.

Das Neonschild

Eine zufriedenstellende Stabilität des Neonschildes zu erzeugen, war eine besondere Herausforderung. Eigentlich sind diese Art von Schildern dafür gedacht, dass man sie einmal an die Wand schraubt und nicht mehr anfasst. Da das Schild auf dem Boden stehen wird und wohl öfters umgestellt werden muss, habe ich das transparente Acrylglas mithilfe eines Aluminium-Schattiernetzes verstärkt. Diese Netze werden in der Filmbranche als Netze auf das Fensterglas draussen gesetzt. Sie sorgen somit für einen diffundierten gleichmäßigen Lichteinfall.

Das Schild

Wird spielerisch von einer eigens gebauten Rohrhalterung aus Kupfer getragen. Auch die Rohre kommen aus der Sanierung des Fachwerkhauses.

Jesus lebt

Das Schild wechselt im gleichmäßigen Rhythmus die Farbe.

Maria von Magdala als Lichtträgerin in Gewissheit der Auferstehung

Die Skulptureninstallation greift ein in der Kunstgeschichte bislang kaum dargestelltes Motiv auf: Maria von Magdala erscheint nicht als suchende oder trauernde Zeugin, sondern als erste Glaubende – dem Betrachter zugewandt, vor dem weggerollten Stein am offenen Grab. In dieser Position verkörpert sie die Gewissheit der Auferstehung und trägt als Lichtträgerin die Botschaft „Jesus lebt“ in die Welt. Damit öffnet die Installation einen neuen ikonografischen Blick auf den Ostermorgen – jenseits der traditionellen Szenen von Trauer, Begegnung oder Zweifel.

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