Digitale Erstaufführung: Mai 2021

Dokumentarfilm in Episoden mit expressionistischen Stilmitteln

Josefs Heimat ist Polen. Dort lebt er verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist 31 Jahre und kommt 1940 als kriegsgefangener Zwangsarbeiter in ein kleines nordhessisches Dorf. Er hat das Glück, bei einem wohlgesonnenen Landwirt unterzukommen. Josef und Luise, die ledige Schwester des Landwirts, verlieben sich ineinander. Luises Schwangerschaft bleibt im Dorf nicht verborgen, die beiden werden denunziert. Er, der verheiratete und damit nicht „eindeutschungsfähige Pole“, kommt ins Straflager und wird schließlich am Dorfrand für jedermann sichtbar hingerichtet. Das mittlerweile geborene Kind wird Luise weggenommen und verstirbt unter zweifelhaften Umständen. Luise kommt danach bis Kriegsende ins KZ. Nach ihrer Rückkehr wird ihr durch die bundesdeutsche Rechtsprechung jedwede Wiedergutmachung verwehrt.

Der Dokumentarfilm besteht aus 14 Episoden und einem Epilog. Die Regie jeder einzelnen Episode folgt einem eigenen Farbkonzept, dabei werden auch Hell-Dunkel-Effekte, Naturstimmungen, Requisite und Kostüm eingesetzt.

Die Regisseurin lässt die Filmgeschichte durch einen Erzähler, einem auf dem Land arbeitenden Klinikpsychiater, aufrollen.

Die Besonderheit liegt darin, dass der Erzähler, Dr. Friedhelm Röder, diese Geschichte, die auf der Ermordung des polnischen Zwangsarbeiters Josef Jurkiewicz fußt, anhand eigener Recherchen und Zeitzeugengespräche selber geschrieben hat.

Der Film führt die technokratisch-mörderische, von der antihumanistischen NS-Ideologie entfesselte Reaktion auf die Liebe zwischen dem Zwangsarbeiter und der Bäuerin vor Augen.

Der Film ist an unterschiedlichen Plätzen in Nordhessen gedreht worden. Die ausgewählten Locations sind nicht historisch-naturalistischer Natur, sondern dramaturgisch ihrer Eindeutigkeit enthoben. Sie dienen buchstäblich als Bühnenorte, die eine psychologische Innensicht auf die Geschehnisse ermöglichen.